Laudatio an Robert Rogner sen.
gehalten von Dieter Otte (Journalist) in Klagenfurt am 16. September 2009 anläßlich der Verleihung des “Europaeus-Award 2009″ in der Kategorie “Wirtschaft – Interationalisierung/Pioniere”
Es war ein wunderschöner Kärntner Sommertag, als 1978 das erste legendäre und von den internationalen Medien gefeierte Dorfprojekt „Seeleit´n“ offiziell am Faaker-See bei Villach eröffnet wurde. Eine gelungene Häusermelange der Kärntner Art mit viel Romantik und modernem Komfort. Ich sah damals einen stolzen, gut gelaunten Bauherrn Robert Rogner, der seine realisierte Idee vor allem jenen vor Augen führen konnte, die meinten Touristen in kalten, seelenlosen Hochhäusern unterbringen zu müssen. Die nachhaltigen Erfolge dieses Projektes, waren aus heutiger Sicht wohl das Schlüsselloch in den Osten.
Es waren die Manager des späteren TUI Reiseveranstalters, die den bulgarischen Minister für Touristik, Evtimov, auf die Spur Rogners brachten. Denn die bulgarische Staatsführung wollte damals 1980 im Fremdenverkehr neue Wege gehen und setzte auf gehobenen Tourismus an der Schwarzmeer Küste. Da gab es zuhauf Architektenpläne aller Art, nur TUI wollte unbedingt Rogners „Dorfidee“ in Bulgarien verwirklicht sehen, um es erfolgreich vermarkten zu können und das zwang wiederum den Minister nach Kärnten zu fahren, um sich vor Ort kundig zu machen.
Die Begeisterung war groß, Rogner erhielt einen Rahmenauftrag, der allerdings vorschrieb, dass sämtliche Bauarbeiter Bulgaren sein müssten und Rogner lediglich die Leitung übernehmen könne.
Freilich, der Kärntner Bauunternehmer war gewohnt mit seinem eingespielten Team, präzise und schnell zu bauen, nur die Menschen im kommunistisch regierten Land waren nicht Willens, Rogners Vorgaben zu erfüllen.
Sie meinten allen Ernstes, „der Staat betrüge sie, also betrügen sie den Staat!“ Abgesehen davon wurde alles gestohlen, was am Bau nicht niet- und nagelfest war. Selbst der versiegelte Computer einer komplizierten Betonmischanlage war eines Tages einfach verschwunden und an seiner Stelle lag dort ein Knoblauchzopf, um den bösen Geist zu vertreiben, der die Mischanlage zum Stillstand brachte. Selbst der Minister konnte die dramatische Situation nicht ändern, da er selbst die starken Gewerkschaften fürchten musste.
Die allgemeine Lähmung verflüchtigte sich allerdings, als Rogner auf die westliche Marktideologie zurückgriff und den Arbeitern für mehr Leistung ein paar Dollars mehr auszuzahlen bereit war.
1981 wurde dann „Düni“, wie Rogner das romantische Feriendorf nannte, mit viel Staatslob und Medieninteresse eröffnet. Ein 5000 Betten Projekt, dass individuell für diese Küstenregion, 8 Kilometer von der alten Museumsstadt Sozopol entfernt, errichtet wurde.
Es lag wohl an Rogners Biographie, dass er sich spontan bereit erklärte, 1988 den Erdbebenopfern von Armenien zu helfen und für sie ein ganzes Dorf mit 127 erdbebensicheren Häusern, samt Schule, Krankenhaus und Kirche in Leninakan zu errichten. Er kannte die bittere Armut und Not, weil er selbst einen erbärmlichen Lebensstart hinter sich wusste. Dabei lernte er sich zu behaupten, aber auch anderen zu helfen. Es gab und gibt wohl keinen Bauunternehmer in Europa, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in jenen Ländern, wo er große Projekte verwirklichen konnte, einen Teil seines Gewinns wieder in Form von SOS Kinderdorfhäusern, Hilfswerken oder Schulen, aber auch in Carepakete zu refundieren.
Wer ohne etwas zu fordern geben kann, dem wird gegeben.
Rogner öffnete seine Armenienhilfe in Russland Tür und Tor. Für die meisten Ostländer, welche sich unter Glasnost und Perestroika einen Freiraum schaffen konnten, war Rogner ein Geschäftspartner, der großes Vertrauen genoss und noch immer genießt. Sie spürten, dass der Mann aus dem Westen ihre Volksseele verstand, ihre Bräuche und Sitten beinahe leichtfüßig übernehmen konnte und überhaupt die Chemie bei all den Verhandlungen um Projekte und Geld übereinstimmte. Freilich ließ diese Performance Rogners Leberwerte drastisch ansteigen.
Aber in dieser Zeit errichtete sein Baukonzern beispielsweise in Warschau das Hotel „Sobieski“ mit 840 Betten samt Einkaufszentrum und Bankcenter. In Prag das Hotel „Don Giovanni“ mit 800, in Heviz das Hotel „Lotustherme“ mit 470 und in Tirana das Hotel „Europapark“ mit 290 Betten. In Moskau schließlich ließ er das berühmte und altehrwürdige Hotel „National“ mit 400 Betten in neuem Glanz erstrahlen, ein russisches Identifikationsjuwel am Roten Platz. Freilich hat jedes dieser Projekte eine Geschichte, die beweist, wie weitsichtig Rogner damals die Prosperität der ehemaligen Sowjetstaaten einschätzte, wie nachhaltig sein touristischer Instinkt „Brückentauglich“ im Sinne einer Völkerverständigung war.
Ich könnte noch Vieles anführen, allein die Zeit erlaubte mir nur eine kurze Fokussierung auf Rogners Ost-Aktivitäten. Mehr über sein Leben und Schaffen erfahren Sie, verehrte Festgäste, in seiner Biografie, welche in Bälde in Buchform erscheinen wird.
Kommerzialrat Robert Rogner, ein Mann ohne Berührungsängste mit Weitsicht, Risikobereitschaft und Handschlagqualitäten, ein Pionier, dem diese Auszeichnung heute gebührt.






