Franz Mlinar

Franz Mlinar erhält den Europaeus 2009

Franz Mlinar erhält den Europaeus 2009

Laudatio an Franz Mlinar

gehalten von Dr. Gerd Seeber (Rechtsanwalt) in Klagenfurt am 16. September 2009 anläßlich der Verleihung des “Europaeus-Award 2009″ in der Kategorie Wirtschaft – Interationalisierung/Pioniere

Franz Mlinar

Franz Mlinar

Seine Lebenslaufbahn und bewunderungswürdige Karriere passt wohl zu den Hollywood-Karrieregeschichten nach dem amerikanischen Motto „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ – aber auf Kärntnerisch:

Tellerwäscher schon, aber nicht als Niedrigstlohn empfangender Dienstnehmer in einem Riesenhotel, sondern als Taschengeld beziehender Sohn in den familieneigenen Gastwirtschaften und Teller waschen auch nur dann, wenn gerade kein anderer für diese Arbeit da war. Allerdings: Zu gut für irgendeine Arbeit war er sich und ist er sich bis heute nicht. Dort wo Not am Mann ist, greift er zu, packt an und ist Gesprächspartner von Bundesregierungsmitgliedern ebenso wie vom Jośe, der den Mist auf die hofeigenen Felder ausbringt.

Und auch beim Anti-Pol des Tellerwäschers, dem Millionär, ist es eine Kärntnerische Variante. Schilling-Millionär – selbstverständlich; Euro-Millionär – selbstverständlich. Aber Millionär etwa im Sinn von Oligarchen mit Schlössern rund um den Globus, eigenen Jets, Fußballmannschaften und Luxusjachten, Gespielinnen in Berlusconi-Anzahl und Klatschspaltenbegierigkeit als High Society-Mitglied: Nein.

Da hat er’s lieber erdverbunden. Ein traumhaft renovierter Gutshof innerhalb der von den Eltern ererbten Landwirtschaft mit allen Finessen vom Weinkeller über den Swimmingpool bis zur Oldtimer-Garage, aber eben alles zu Hause, wo die seit Kindheit gewonnenen Freunde aus der Nachbarschaft und weiteren Umgebung leben und wo er selbst das dörfliche Leben in vollen Zügen genießt.

Aber keine Sorge, er weiß weltmännisch auch außerörtliche Besonderheiten unserer Erde zu schätzen, sei es auf Welt- oder anderen Fernreisen, sei es der Besuch von exquisiten Restaurants in den verschiedensten Ländern Mitteleuropas, seien es Einkaufsstreifzüge in die verschiedensten Designer-Outlets in Österreich, Italien, Deutschland, Frankreich bis hin nach London oder in die USA. Diese Saite in ihm hat vor allem seine Lebenspartnerin Elisabeth zum Klingen gebracht. Er genießt auch diese Lebensmöglichkeiten intensiv und mit voller Freude. Ein illustres Abendessen in der Taverna bei Udine mit kostbarsten Weinen Italiens kann ihm dasselbe Vergnügen bereiten, wie ein am darauf folgenden Tag stattfindende Einkehr in Crna Gora bei Ćevapčići und Zwitschek.

Mitten in den 2. Weltkrieg hineingeboren, erlitten er und seine Familie einen schweren Schicksalsschlag: Sein Vater ist als Frontsoldat gefallen. Als Halbwaise wuchs er in verschworener Gemeinschaft mit seinem älteren Bruder Manfred in sehr kargen Kriegs- und Nachkriegszeiten auf, besuchte nach der Volksschule das Internats-Gymnasium St. Paul und danach die Handelsakademie. Unternehmerischer Drang und der legendäre Ruf der blonden Schwedinnen führte ihn für zwei Jahre als Mitarbeiter in eine schwedische Fertighausfabrik, danach Rückkehr in die Heimat und schließlich, gar nicht so unternehmertypisch, Eintritt in die Gemeinde als Gemeindesekretär. Eine schicksalhafte Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte:

In dieser Eigenschaft lernte er nämlich den Geschäftsführer einer slowenischen Filterfabrik kennen und kam mit ihm schließlich 1968 überein, gleichteilig mit dem jugoslawischen Staatsbetrieb eine Filterfabrik in St. Michael ob Bleiburg zu errichten, die bereits 1970 ihren Betrieb mit 50 Mitarbeitern aufnahm. Eine beachtliche Bereitschaft zum Unternehmerrisiko hat der inzwischen verheiratete und zwei Kleinkinder versorgende Familienvater bewiesen, und dies ohne Scheu vor den südlichen Nachbarn, was damals alles andere als selbstverständlich war. Selbst im gemischtsprachigen Gebiet aufgewachsen, hatte er keine Scheu vor jugoslawischen Partnern, zumal er aus dem Zusammenleben in Unterkärnten wusste, dass es die gleichen Menschen mit den gleichen Stärken und Schwächen sind, ob sie nun deutsch oder slowenisch reden. Auf beiden Seiten gibt und gab es Schlitzohren, Dummköpfe und Ignoranten, wie umgekehrt qualifizierteste Unternehmer mit Handschlagsqualität, Persönlichkeiten mit hoher Kultur und Menschen mit Blick für die Zukunft. So war sein vom damaligen Landeshauptmann Sima unterstützter Schritt ein erster zur Begründung und Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kärnten und seinem südlichen Nachbarn.

Seine Filterfabrik erlebte einen kometenhaften Aufstieg, die Stelle des jugoslawischen Partners nahm schließlich ein deutsches Unternehmen, jetzt die Firma Mahle aus Stuttgart ein, Erfolgsmeldung reiht sich an Erfolgsmeldung:

Errichtung eines kilometerlangen Gleisanschlusses, Übernahme von F & E für Flüssigfilter durch St. Michael, Erwerb des in Insolvenz verfallenen Gallus-Werkes in Wolfsberg und Ausbau desselben zu einem Mechatronikzentrum, Begründung eines Joint Ventures zwischen Mahle und Bosch zur Fertigung von Abgasturboladern.

2008 wurde der Spatenstich für den Bau des Turboladerwerkes getan, 2009 folgte der Baubeginn für ein Hochregallager, wo der Magazineur durch einen Hightech-Computer dargestellt wird.

Viele Preise, Auszeichnungen und Funktionen sind Spiegel dieses Erfolgsweges wie beispielsweise die Aufnahme in den wirtschaftspolitischen Beirat des Landes Kärnten oder die Verleihung der Auszeichnung „Manager des Jahres“.

Der Erfolg ist ihm aber nicht zu Kopf gestiegen. Er ist mit beiden Beinen am Boden geblieben, ein Unternehmer, wie er im Buche steht und noch viel mehr, ein Freund, dessen Wahrhaftigkeit und Verlässlichkeit nicht zu überbieten ist.

Am besten ist er doch wohl charakterisiert durch die Worte eines Nachbarn aus St. Michael/Šmihel: „ Ja, Ja, Šta France je pa en ćun hudić“, zu Deutsch „Ein Teufel ist er schon, der Franze!“

Jede Auszeichnung, die man ihm verleiht, hat Franz Mlinar verdient!