Alois Mock

Edith Mock übernimmt den Europaeus 2009 stellvertretend für ihren Mann Alois Mock

Edith Mock übernimmt den Europaeus 2009 stellvertretend für ihren Mann Alois Mock

Laudatio an Vizekanzler und Außenminister a.D. Dr. Alois Mock

gehalten von Josef Riegler (Vizekanzler a.D.) in Klagenfurt am 16. September 2009 anläßlich der Verleihung des “Europaeus-Award 2009″ in der Kategorie “Europapolitik – History in the making”

Alois Mock

Alois Mock

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wer Dr. Alois Mock in den vergangenen Monaten begegnet ist, konnte erleben, mit welch hellwachem Geist er am Zeitgeschehen Anteil nimmt und mit welch glühendem Herzen er am Gelingen des europäischen Einigungswerkes hängt. Aber es ist auch unübersehbar, wie sehr eine unerbittliche Krankheit seinen Körper niederdrückt. Aus diesem Grund kann er heute leider nicht persönlich anwesend sein.

Alois Mock hat aber einen Engel, eine stille Heldin an seiner Seite – seine Frau, die ihn in Treue begleitet, die ihn mit Aufopferung und Hingabe stützt. Wir danken dir, liebe Edith Mock und grüßen dich in tiefer Verbundenheit!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Alois Mock steht für mich in einer Reihe mit den großen patriotischen Staatsmännern unserer 2. Republik – den Bundeskanzlern Dipl.Ing. Leopold Figl, Ing. Julius Raab und Dr. Josef Klaus. Es ist wohl kein Zufall, dass Alois Mock dem historischen Herzen Österreichs entstammt. Unweit seines Geburtsortes wurde in Neuhofen an der Ybbs imJahr 996 der Name “Ostarichi” – das spätere Österreich – urkundlich erstmals erwähnt. Neben der christlich-sozialen Prägung in seinem Elternhaus erhielt er im berühmten Gymnasium des Benediktinerstiftes Seitenstetten jenes christlich-humanistische Fundament, auf dessen Tugenden er sein Leben aufbauen konnte. Abgerundet wurde seine Persönlichkeit in einer der bekanntesten katholischen Studentenverbindungen Österreichs, der Norika zu Wien, welcher auch Leopold Figl und Julius Raab angehört hatten.

Nach internationalen post-graduate-Studien am Bologna-Center der John Hopkins University und der Freien Universität Brüssel sowie seinem beruflichen Wirken im diplomatischen Dienst holte ihn Bundeskanzler Dr. Josef Klaus in die Politik: Zunächst als seinen Kabinettchef und 1969 als jüngsten Unterrichtsminister. Sein erfolgreiches innenpolitisches Wirken ist bekannt. Dazu kam sein international bedeutungsvolles Engagement als Präsident der “Europäisch Demokratischen Union” von 1979 bis 1998 sowie als Präsident der “Internationalen Demokratischen Union” von 1983 bis 1987.

Zum international angesehenen Staatsmann profilierte sich Alois Mock aber vor allem durch sein Wirken als österreichischer Außenminister von 1987 bis 1995. Durch seinen aufopfernden Einsatz für das europäische Einigungswerk steht er in einer Reihe mit den Gründervätern des Gemeinsamen Europa im Geiste Jean Monnets sowie den Gestaltern der EU in den 1980er Jahren: Staatspräsident Francois Mitterand, Bundeskanzler Helmut Kohl und Kommissionspräsident Jaques Delors, welche den europäischen Eingungsprozeß zu jener neuen Dynamik geführt haben, von der wir heute noch zehren.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Das Wirken des Europapolitikers Alois Mock in wenigen Stichworten:

1. Das Hineinführen Österreichs in das Gemeinsame Europa. Überreichung des Beitrittsantrages am 17. Juli 1989, erfolgreicher Abschluß der Beitrittsverhandlungen am 1. März 1994, Volksabstimmung mit 2/3 Mehrheit am 12. Juni 1994 und schließlich EU-Beitritt Österreichs am 1. Jänner 1995.

2. Um die ganze Welt ging das Foto, als Alois Mock gemeinsam mit dem ungarischen Außenminister Gyula Horn am 27. Juni 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze den Eisernen Vorhang durchschnitt. Dieser Akt hatte nicht nur symbolische Bedeutung. Er war ein wichtiger Dominostein für die weitere Dynamik im “annus mirabilis” 1989 bis hin zum Fall der Berliner Mauer und dem friedlichen Wandel von kommunistischen Diktaturen zu Demokratie und Freiheit in Mittel- und Osteuropa.

3. Ein wichtiges Fundament für Ihre Konferenz des CEE-Wirtschaftsforums schuf Alois Mock gemeinsam mit Italien, Jugoslawien und Ungarn durch die im März 1989 gestartete Gründung der “Quadrangolare”, aus der später die “Pentagonale”, “Hexagonale” und schließlich die “Central and Eastern European Initiative – CEEI” hervorgingen.

4. In meiner Zeit als Vizekanzler und Bundesparteiobmann der ÖVP konnte ich gemeinsam mit Alois Mock zweimal zu einem “Runden Tisch Europa” auf dem Donauschiff “Mozart” einladen. Es ging uns um eine gemeinsame Basis zwischen der neuen politischen Elite der Reformstaaten mit Politikern Westeuropas. Die Bilder von diesen historischen Begegnungen werden mir immer in Erinnerung bleiben.
Dominierten beim ersten Treffen im Jänner 1990 die Euphorie über den unerwarteten Wandel in Europa sowie das Thema der Wiedervereinigung Deutschlands, so stand der zweite Runde Tisch im März 1991 mit dem Generalthema: “Ethnische Minderheiten, Nationalitäten und Regionen in der neuen Architektur Europas” ganz im Zeichen des beginnenden Zerfalls Jugoslawiens. Eine Deklaration zur Situation in Jugoslawien wurde zwar unter anderem von Lojze Peterle, Dimitrij Rupel, Ibrahim Rugova und Alija Izetbegovic, nicht aber von dem ebenfalls anwesenden Radovan Karadcic unterzeichnet.

5. Ein Meilenstein im außenpolitischen Wirken Alois Mocks war der Abschluß der Verhandlungen zum Südtirol-Paket und die Streitbeilegung mit Italien vor der UNO 1992.

6. In das Gedächtnis Europas und der Welt für immer eingeprägt hat sich Alois Mock durch sein unbeirrtes Eintreten für Menschenwürde, Demokratie, Freiheit und Unabhängigkeit in den jungen Staaten des Balkan. Ob Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina oder Kosovo – Alois Mock hat in Europa sowie bei internationalen Konferenzen und Institutionen um Verständnis und Unterstützung gerungen.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Was ich hier in wenigen Minuten ansprechen konnte, sind nur wenige Mosaiksteine. Unendlich viel gäbe es noch zu sagen.
Auch über die vielen Jahre unseres gemeinsamen politischen Weges. Auf diesem Weg gab es schwierige Herausforderungen, die von außen auf uns zugekommen sind. Wir haben sie in ehrlicher Treue zueinander und in unverbrüchlicher Freundschaft bewältigt.

Heute weiß ich mich mit Alois Mock eines Sinnes in unserer Sorge um das weitere Gelingen des großen europäischen Eingungswerkes sowie im Bemühen um Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Schutz der Lebensräume für alle Menschen als Voraussetzung für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung in einer immer stärker global vernetzten Welt.

Ich weiß mich mit Alois Mock eines Sinnes, wenn es darum geht, der europäischen Idee wieder mehr Faszination und Begeisterungsfähigkeit zu geben. Wir brauchen eine EU mit Herz und Seele! Sie darf nicht zu einem Tummelplatz zur Durchsetzung nationalstaatlicher Egoismen und des Feilschens um kleinliche Vorteile verkommen. Schon gar nicht zur Spielwiese für Demagogen, Meinungsmanipulierer und Geschäftemacher!

Die historische Besonderheit Europas, dass nämlich unterschiedliche Staaten, Nationen, Kulturen und Religionen in einem Prozess demokratischer Entscheidungen und auf der Basis von Freiwilligkeit einen gemeinsamen Weg gehen, gilt es zu festigen und als Lösungsansatz für die Bewältigung globaler Herausforderungen weltweit bewußt zu machen.

Das europäische Lebens-, Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell mit dem Grundprinzip der Balance zwischen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, sozialer Solidarität und ökologischer Nachhaltigkeit – in Österreich nennen wir das Ökosoziale Marktwirtschaft – sowie dem Prinzip der kulturellen Vielfalt und der Toleranz zwischen verschiedenen Religionen ist ein weltweit gültiger Kompass für einen friedlichen Weg in die Zukunft.

Das eindrucksvolle Lebenswerk des Alois Mock soll uns ermutigen, trotz vieler Hindernisse unbeirrt voranzuschreiten!